2. Zeitungsartikel LIONS-Hilfswerk Schwabach e.V. im Schwabacher Tagblatt 7. Dezember 2019
GEWALT ZERSTÖRT EIN GANZES LEBEN
Öffentliche Gebäude in aller Welt wurden am 25. November orangefarben angestrahlt. Das sollte kein adventlicher Lichtzauber sein, sondern an den „Internationalen Tag zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen“ erinnern. Das Problem gibt es überall, die damals wie heute veröffentlichten statistischen Zahlen sind erschreckend. Und es gibt auch Fälle direkt in unserer gesellschaftlichen Mitte. Einer zeigt beispielhaft, dass es da nicht nur um Drohungen, Tätlichkeiten, Angst geht, sondern dass ganze Existenzen und Zukunftspläne zerstört werden können.
Dabei hatte es in diesem Fall so idyllisch angefangen. Der junge A. S. (Namen von der Redaktion geändert) kommt im Urlaub in die Türkei, lernt die blutjunge Duygu P. kennen. Beide verlieben sich, heiraten, bekommen das erste Kind: Damit waren die ersten Jahre honeymoon auch schon vorbei. Die jungen Eheleute entschließen sich mit dem kleinen Sohn nach Deutschland zu gehen: mit allerdings nicht besonders rosigen Aussichten. Denn A. S. ist nur ungelernter Arbeiter, seine Frau hat nach zehn Schuljahren in der Türkei leider keinen Abschluss gemacht. Aber sie arbeitet auf 450-Euro-Basis in einer Metzgerei westlich von Nürnberg. Bald kommt das zweite Kind, und Duygu sagt heute, anfangs in der Türkei hätte sie ihren Mann nicht richtig einschätzen können. Jetzt in den prekären Verhältnissen in Deutschland zeigten sich schnell Unterschiede zu damals: Er ist unberechtigt eifersüchtig, und das immer mehr, es gab viel Streit, er war ein „schlimmer Kopf“ (Duygu). Da war dann, auch weil die wirtschaftlichen Verhältnisse sich nicht gebessert haben, die Eskalation programmiert. Nach wenigen Jahren in Deutschland begann S. seine Frau zu beschimpfen, dann zu schlagen, regelrecht zu verprügeln, randaliert in der Wohnung. Spielsucht und Drogenkonsum lassen ihn immer enthemmter werden. Die herbeigerufene Polizei holt sich Verstärkung, weil man um die Gewaltbereitschaft des Mannes weiß: „So massiv hatten wir das noch nie.“
Diese Entwicklung wundert einen nicht: Beim Spiel verliert S. immer mehr Geld, das er sich durch Schwarzarbeit, vielleicht auch durch Drogenhandel besorgt, schläft nur noch unregelmäßig, wird immer eifersüchtiger und sucht nach irgendwelchen Rivalen. Duygu muss alles Geld abgeben, schließlich bleibt ihr als Zuflucht nur das Frauenhaus in Schwabach. Warum sie das alles über Jahre mitgemacht hat? Sie wollte eine einigermaßen heile Welt für ihre Kinder erhalten: mit Schulbildung, Sport, Musik. Für sie selbst bedeutete das aber: „Ich habe täglich Schläge und Erniedrigungen erlebt.“ Ihr Mann bedroht sie sogar mit einer Waffe, wirft Gläser und Geschirr nach ihr, verprügelt sie, droht immer mehr unter dem Eindruck völlig verquerer Vorstellungen.
Natürlich hat sich inzwischen auch die Justiz des Falles angenommen. Aber ein Kontaktverbot hatte nichts genützt, Duygu leidet unter neuen, permanenten Prügelattacken, S. lauert seiner Frau und den Kindern auf, droht sogar Bekannten. Besonders schlimm ist, auch für die Arbeitssuche und Ausbildung, dass er seiner Frau das Auto weggenommen, es inzwischen irgendwo im Osten verkauft hat. Da Duygu immer noch als Halterin eingetragen war, muss sie auch für Unfälle ihres Mannes bezahlen. Da haben sich inzwischen einige Tausend Euro als Schuldenberg angehäuft, die Duygu abtragen muss. Auch für die alte Wohnung, aus der sie mit Hilfe der Polizei geflüchtet war und die S. in katastrophalem Zustand hinterlassen hatte. Auch die Durchführung eines Privatinsolvenz-Verfahrens nützte da wenig.
Duygu wohnt mit ihren Kindern jetzt in einer bescheidenen Zwei-Zimmer-Wohnung, aber zwischen den gebraucht beschafften Möbeln fehlt es an allem. Besonders jetzt, wo sie den qualifizierten Hauptschulabschluss nachmachen will, um eine Ausbildung als Kinderpflegerin aufzunehmen. Die dauert in Vollzeit 12 Monate und soll ihr eine berufliche Perspektive eröffnen. Über solchen positiven Plänen steht aber die Angst: Was wird, wenn ihr inzwischen geschiedener Mann aus der Haft entlassen wird? Inzwischen hat S. im Rahmen seiner Inhaftierung Freigang, was für seine Ex-Frau immer wieder mit sehr viel Angst verbunden ist, dass er erneut auftauchen könnte. Von Anbeginn der Inhaftierung hat S. immer wieder versucht, Kontakt mit den Kindern oder auch zu Duygu P. aufzunehmen. Daraufhin wollte sie das damals nur für sechs Monate bestehende Kontaktverbot bei Gericht verlängern. Dies wurde abgelehnt – mit der Folge, dass sie die Gerichtskosten bzw. die Anwaltskosten ihres Mannes für dieses Verfahren auch noch zahlen musste.
Diese Probleme kann ein Spendenaufruf nicht lösen. Aber er kann den Kindern ganz vordringlich neue Betten und Matratzen beschaffen, die Einrichtung auch mit Beleuchtungskörpern oder einem Fernsehtischchen komplettieren oder manches Alte ersetzen. Der Fernseher steht zurzeit auf dem Fußboden. Mutter und Sohn brauchen für ihre Ausbildung unbedingt ein Laptop. Die Teilnahme an schulischen Unternehmungen kostet Geld, und alle möchten keinesfalls als Bittsteller dastehen und zusehen, wie die Situation der Familie öffentlich bekannt wird.
Der LIONS-Club Schwabach kümmert sich seit vielen Jahren um die Belange bedürftiger Menschen. Die gespendeten Mittel gehen komplett ohne Abzüge an die Empfänger. Aus organisatorischen Gründen können wir keine Sachspenden annehmen. Geldspenden sind möglich unter: LIONS-Hilfswerk Schwabach e.V., Konto 750 136 350, BLZ 76450000, IBAN DE22 7645 0000 0750 1363 50 bei der Sparkasse Mittelfranken Süd. Bitte vermerken Sie das Stichwort „Duygu P.“.