Im Notfall muss es sehr, sehr schnell gehen: Wenn jemand einen Herzkreislaufstillstand erleidet, sind die ersten zehn Minuten überlebenswichtig, ein Defibrillator kann Leben retten, indem er kontrollierte Stromstöße sendet und so das Herz wieder rhythmisch schlagen lässt. Aber wo ist so ein Gerät, wenn es im Ernstfall gebraucht wird? Und wie setze ich es dann ein?
Herz-Kreislauferkrankungen sind die häufigste Todesursache. Das liegt auch daran, dass sie sich oft unbemerkt entwickeln. Wenn das Herz aber aufhört zu schlagen, zählt jede Sekunde. Das Blut verliert Sauerstoff, nach zehn Minuten ist die Gehirnfunktion nicht mehr vorhanden. Mit Herzdruckmassage und einem Defibrillator gibt es die Chance, das Herz wieder zum Schlagen zu bringen.
Wo und wie viele solcher Geräte gibt es in Schwabach? Sind sie zugänglich? Wie kann man damit helfen? Und kann man etwas falsch machen? Mit diesen Fragen hat sich Enzo Olmorisi von der enoteca in Schwabach beschäftigt, die Antworten fallen unterschiedlich aus. Die gute Nachricht: Es gibt in Schwabach 23 Defibrillatoren. Aber: Nur vier Stück im ganzen Stadtgebiet sind frei und immer zugänglich, viel zu wenige, um im Ernstfall schnell zu helfen. An einige Defibrillatoren – in Arztpraxen etwa oder Firmen – kommt man abends oder am Wochenende nicht ran. Das weiß man auch beim Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Mittelfranken Süd (MFR), dem neben den Landkreisen Roth und Weißenburg-Gunzenhausen die Stadt Schwabach angehört. Also wären dringend mehr frei verfügbare Geräte erforderlich.
Studien haben ergeben, dass die Zahl der Menschen, die einen Herzstillstand überleben und wieder komplett beschwerdefrei sind, in manchen Städten um ein Vielfaches höher liegt. Nämlich dort, wo es frei zugängliche Defibrillatoren gibt.
Doch die Lebensretter sind teuer, mit 2700 Euro muss man für die Anschaffung rechnen. Ein staatlicher Fördertopf dafür war schnell ausgeschöpft. Der Rettungszweckverband, der an der flächendeckenden Versorgung arbeitet, freut sich deshalb über die Initiative von Enzo Olmorisi und dem Schwabacher Lions Club, Spenden für mehr Defibrillatoren zu sammeln.
Das ist auf eindrucksvolle Weise gelungen. Beim alljährlichen Weihnachtsprosecco am Mittag des Heiligen Abends in der Enoteca von Enzo Olmorisi stiftet der Wirt stets die Getränke, und die Gäste „bezahlen“ mit einer Spende. Diesmal zeigten sie sich besonders großzügig: 4320 Euro lagen schließlich in dem zur Spendenbox umfunktionierten Sektkübel, so viel wie noch nie zuvor bei dem Spendenumtrunk.
Trotzdem bleibt, so Karin und Klaus Bonn, die zweite Frage: Wie gehe ich – vorausgesetzt, bei einem Notfall ist ein Defibrillator in der Nähe zu finden – damit um? Kann man beim Einsatz des gezielten Elektroschockers Fehler machen?
„Nein“, sagen alle Ersthelfer und medizinisch Geschulten. „Der Patient liegt im Sterben, man kann seine Situation also nur verbessern“, wissen auch die Initiatoren. „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist, gar nicht zu helfen.“ Denn die Sprachfunktion des „Defi“ leitet den Helfer an.
Mit der Spendenaktion wird zugleich für ein besonderes Hilfsmittel geworben: Die Ersthelfer-App Team Bayern Lebensretter, die vor allem Ersthelfer (das kann jeder sein, der den Neun-Stunden-Ersthelfer-Kurs absolviert hat) in ihre Adressliste aufnimmt. Wenn ein Notruf abgesetzt wird, hat die Rettungsleitstelle die Infos über Ersthelfer in der Nähe parat, die mit schneller Hilfe und dem „Defi“ besser vertraut sind als ein medizinischer Laie.
Den Hintergrund dafür schildert Franziska Hartwig vom Zweckverband: „Im Rettungsdienstbereich Mittelfranken Süd (Stadt Schwabach sowie die Landkreise Roth und Weißenburg-Gunzenhausen) gab es in der Vergangenheit jährlich rund 400 Reanimationen. Doch davon schaffte es nur ein Sechstel der Betroffenen lebend ins Krankenhaus. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass viel zu selten rechtzeitig mit einer lebensrettenden Herzdruckmassage begonnen wird und kein Defibrillator in erreichbarer Nähe ist. Dabei kann ein sofort eingeleiteter Reanimationsversuch die Überlebenschancen verdreifachen. Aus diesem Grund hat sich die Verbandsversammlung des Zweckverbandes entschlossen, die Ersthelfer-App „Team Bayern Lebensretter“ im Verbandsgebiet einzuführen und zu finanzieren.“
Der Rettungszweckverband führt derweil bereits Verhandlungen über öffentliche Standorte für neue Defibrillatoren: Angebracht werden sollen sie künftig in den Bankautomaten-Räumen von Bankfilialen, mit Sparkasse und VR-Bank ist man, so Franziska Hartwig, bereits im Gespräch. Denn diese Räume sind Tag und Nacht offen – und den Kunden sowieso vertraut. Und die Lions-Initiatoren freuen sich über die Spendensumme, denn „jeder von uns kann der Nächste sein, der einen Herzstillstand erleidet und dem diese Geräte eventuell das Leben retten könnten“.
Carola Scherbel
Foto: Aktion Weihnachtsprosecco von Enzo Olmorisi (Foto Mitte) mit Karin und Klaus Bonn für mehr Defibrillatoren in Schwabach.