Schwabacher Lions Club hörte bei einer aktuellen Stunde im Landtag zu
Politische Bildung live erleben – das konnte der Schwabacher Lions Club bei einer Fahrt in den Bayerischen Landtag. Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Dr. Sabine Weigand (Die Grünen) haben die politisch interessierten Gäste aus Franken eine Plenarsitzung im bayerischen Parlament sowie eine informative Stadtführung erlebt.
Ging es um eine Revolution? Oder doch um Energie, um neue Mini-Atomkraftwerke oder um den Ausbau von Biogas? In der Überschrift vorn an der Wand neben Landtagspräsidentin Ilse Aigner war von „Freiheitsrevolution“ die Rede. Wenn man der Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze dann bei ihrer Rede vor dem halb gefüllten Plenarsaal aufmerksam zuhörte, wurde aber klar: Es ging um erneuerbare Energien. Bei der aktuellen Stunde, die die Grünen-Fraktion im Landtag beantragt hat, schwirrten die Fachbegriffe nur so durch den Saal.
Aber etliche Sätze schienen ungehört zu verhallen. Zumindest bei den jeweils anderen Fraktionen. Die eigene Partei zollte der Rednerin, dem Redner stets demonstrativ Applaus, die anderen Abgeordneten dagegen schauten gelangweilt auf ihre Handy-Displays, Minister und Ministerinnen unterhielten sich weiter.
„Aber das Plenum“, so erklärte Sabine Weigand später ihren Gästen aus Schwabach, „is just for the show“. Der Landtag „ist ein Arbeitsparlament“, dafür werde in den Ausschüssen fachlich intensiv diskutiert. Allerdings gelte dann bei der Abstimmung für eine Oppositionsfraktion wie die der Grünen immer: Antrag abgelehnt. Immer.
Gerade bei ihrer Arbeit als Sprecherin im Bereich Denkmalschutz müsse sie viel Frustrationstoleranz beweisen, erzählte Historikerin Weigand. Fördergelder würden gestrichen, so dass viele private Denkmaleigentümer die Kosten für Sanierungen nicht mehr stemmen können. Den Denkmalschutz selbst nimmt sie jedoch in Schutz. „Unsere gewachsenen Städte und Bauten sind unsere Geschichte, sie prägen uns“, wirbt sie beharrlich für „unser kulturelles Erbe“.
Passend dazu hatte Weigand für die Schwabacher eine Stadtführung mit einem promovierten Kunsthistoriker organisiert. Neven Denhauser zeigte den Gästen bei einem amüsanten Rundgang durch die Münchner Innenstadt, dass das (neu)gotische Rathaus gar nicht so alt ist wie es aussieht. Er deutete gegenüber auf St. Peter, die wirklich älteste Kirche der Altstadt, und erklärte die Geschichte des Viktualienmarktes mit seinen „Standerln“. Dass in der Straße der Mätressen interessante Wappen – zum Beispiel mit „Bastard-Balken“ – an (bischöflichen) Palästen angebracht sind, hatten vor dem aufschlussreichen Spaziergang sicher auch nicht viele Besucher bemerkt.
Der Kreis zum Landtagsbesuch schloss sich, als die Gruppe neben dem Bayerischen Hof am Palais Montgelas ankam – hier hatte der Landtag früher getagt. An dessen Ausgang war 1919 Kurt Eisner, der erste bayerische Ministerpräsident der Weimarer Republik, von einem Attentäter erschossen worden. Seit 1989 erinnert eine Platte im Boden an den Politiker, der im Kampf für die Demokratie sein Leben lassen musste. Bis zum Errichten dieses Denkmals hat der Freistaat Bayern, so Neven Denhauser, „70 Jahre gebraucht“.
Carola Scherbel
Bild: Im Maximilianeum war eine Gruppe des Schwabacher Lions Clubs auf Einladung der Grünen-Abgeordneten Dr. Sabine Weigand zu Gast.